Motorradbekleidung richtig anprobieren: So findest du die passende Größe

Motorradbekleidung Größen

Der richtige Sitz deiner Motorradbekleidung ist entscheidend für Sicherheit, Komfort und ein optimales Fahrgefühl. Falsch sitzende Protektoren verrutschen im Ernstfall und bieten keinen ausreichenden Schutz, während zu enge oder zu weite Kleidung die Bewegungsfreiheit einschränken und zu Ermüdung führen kann. Daher ist die präzise Ermittlung deiner Größe bei der Auswahl von Motorradjacken, -hosen, -kombis und -handschuhen unerlässlich.

Das sind die beliebtesten Größenratgeber Motorradbekleidung Produkte

Warum die richtige Größe bei Motorradbekleidung so wichtig ist

Deine Motorradbekleidung ist weit mehr als nur ein modisches Statement; sie ist deine primäre Schutzausrüstung auf zwei Rädern. Die Passform beeinflusst direkt die Effektivität der integrierten Protektoren. Sind die Ellenbogen- oder Knieprotektoren zu hoch oder zu tief positioniert, weil die Kleidung nicht stimmt, können sie bei einem Sturz nicht dort schützen, wo sie es sollen. Ebenso wichtig ist der Tragekomfort. Motorradfahren erfordert Konzentration und Bewegungsfreiheit. Ein zu enger Kragen kann den Blick einschränken, zu weite Ärmel können flattern und ablenken, und eine einschnürende Hose beeinträchtigt das Sitzen auf dem Motorrad erheblich. Bei warmem Wetter sorgt eine gut belüftete, aber korrekt sitzende Bekleidung für angenehmes Fahren, während bei Kälte die Isolationswirkung durch eine passende Größe maximiert wird, da Kaltluftschichten effizient eingeschlossen werden.

Grundlagen der Größenermittlung: Körpermaße nehmen

Bevor du dich für eine Motorradjacke oder -hose entscheidest, ist es essenziell, deine Körpermaße korrekt zu erfassen. Dies vermeidet Fehlkäufe und spart dir Zeit und Frust. Nutze ein flexibles Maßband und bitte idealerweise eine zweite Person um Hilfe, um präzise Ergebnisse zu erzielen. Achte darauf, das Maßband gerade und ohne zu viel Druck anzuwenden.

Brustumfang (für Jacken und Kombis)

Lege das Maßband waagerecht um die breiteste Stelle deiner Brust, normalerweise über den Brustwarzen. Halte deine Arme locker an der Seite. Atme normal weiter.

Taillenumfang (für Jacken und Hosen)

Miss an der schmalsten Stelle deiner Taille, normalerweise oberhalb des Bauchnabels. Atme normal weiter, ohne den Bauch einzuziehen oder herauszustrecken.

Hüftumfang (für Hosen und Kombis)

Stelle dich gerade hin und miss um die breiteste Stelle deiner Hüften und deines Gesäßes.

Schulterbreite (für Jacken und Kombis)

Miss von der Spitze einer Schulter bis zur Spitze der anderen Schulter über den oberen Rücken.

Ärmellänge (für Jacken und Kombis)

Beuge deinen Arm leicht im Ellenbogen. Beginne das Maßband an der Schulterspitze und führe es über den leicht gebeugten Ellenbogen bis zum Handgelenk. Berücksichtige dabei die Handrückenlänge, falls du Handschuhe trägst, die bis zum Handgelenk reichen.

Schrittlänge (für Hosen und Kombis)

Stelle dich mit geschlossenen Füßen gerade hin. Beginne das Maßband am Schritt (dem Punkt, an dem die Beine zusammenlaufen) und miss die Innenseite deines Beins bis zum Knöchel oder bis zur gewünschten Hosenlänge.

Beinaußenlänge (für Hosen und Kombis)

Beginne das Maßband an der Taille (seitlich) und miss die Außenseite deines Beins bis zum Knöchel oder zur gewünschten Hosenlänge.

Die Anprobe: Mehr als nur das Anlegen

Hast du deine Maße genommen, ist der nächste Schritt die Anprobe. Hierbei geht es nicht nur darum, ob die Kleidung überhaupt über deinen Körper passt, sondern vor allem darum, wie sie sich im dynamischen Fahrzustand verhält und ob die Schutzelemente korrekt positioniert sind. Nimm dir ausreichend Zeit und ziehe idealerweise die Kleidung an, die du auch unter der Motorradbekleidung tragen würdest, wie z.B. Funktionsunterwäsche.

Motorradjacke und Kombi: Passform-Check

Schließe alle Reißverschlüsse und Klettverschlüsse. Stelle dich zunächst gerade hin. Dann nimmst du die typische Fahrposition auf einem Motorrad ein, indem du dich leicht nach vorne beugst und die Arme nach vorne streckst. Beobachte dabei:

  • Schulterbereich: Die Schulterpartie sollte gut sitzen, ohne einzuengen. Bei der Fahrposition dürfen keine Spannungsrisse im Material entstehen.
  • Arme: Die Ärmel sollten lang genug sein, um auch in der Fahrposition deinen Handrücken zu bedecken, insbesondere wenn du Handschuhe trägst. Sie dürfen nicht hochrutschen. Gleichzeitig sollten sie nicht so weit sein, dass sie flattern.
  • Protektoren: Die Ellenbogen- und Schulterprotektoren müssen deine Gelenke im entspannten Zustand vollständig bedecken. In der Fahrposition sollten sie dort bleiben, wo sie hingehören.
  • Rückenprotektor: Falls du einen separaten Rückenprotektor trägst, stelle sicher, dass die Jacke oder Kombi ausreichend Platz dafür bietet, ohne dass der Protektor verrutscht oder drückt.
  • Kragen: Der Kragen sollte bequem sitzen und weder den Hals einschnüren noch im Fahrtwind flattern.
  • Bund/Taie: Die Jacke sollte im unteren Bereich nicht hochrutschen oder sich beim Bücken unerträglich spannen.

Motorradhose: Passform-Check

Auch bei der Hose ist die Fahrposition entscheidend. Ziehe die Hose an und schließe alle Verschlüsse. Setze dich aufrecht hin und beuge dich dann leicht nach vorne, als würdest du auf einem Motorrad sitzen:

  • Bund: Die Hose sollte im Bund angenehm sitzen und nicht einschneiden. Sie darf auch bei gebeugter Haltung nicht rutschen.
  • Beinlänge: In aufrechter Haltung sollten die Hosenbeine leicht über deine Schuhe reichen. In der Fahrposition dürfen sie nicht zu kurz werden und deine Knöchel freilegen. Bei Hosen mit Stiefel über- oder -unterzieh-Option gilt dies entsprechend.
  • Kniebereich: Die Knieprotektoren müssen deine Kniegelenke exakt abdecken, sowohl im Stehen als auch in der Fahrposition. Sie dürfen bei Bewegung nicht verrutschen.
  • Sitzbereich: Achte auf ausreichende Bewegungsfreiheit im Gesäß- und Schrittbereich, ohne dass die Hose spannt oder einschneidet.
  • Bundhöhe: Überlege, ob du eher eine Hose mit höherem oder niedrigerem Bund bevorzugst, je nach Jacke und persönlichem Komfort.

Motorradhandschuhe: Die Feinheit der Passform

Handschuhe sind oft besonders knifflig, da sie eine perfekte Balance zwischen Schutz, Gefühl und Fingerfertigkeit bieten müssen.

  • Gesamtlänge: Der Handschuh sollte bis über den Handrücken reichen, um die Manschette der Motorradjacke gut zu überlappen und einen Schutz vor Wind und Wetter zu bieten.
  • Finger: Die Finger sollten die Enden der Handschuhfinger erreichen, aber nicht über diese hinausgehen. Ein zu langer Finger bedeutet Verlust von Gefühl, ein zu kurzer Finger drückt und ist unbequem.
  • Handfläche: Die Handfläche sollte gut ausgefüllt sein, ohne dass der Handschuh spannt oder sich verdreht.
  • Bewegungsfreiheit: Du musst in der Lage sein, deine Hand zu ballen und deine Finger leicht zu bewegen, ohne dass der Handschuh einschnürt oder störend wirkt.
  • Verschluss: Der Klettverschluss am Handgelenk muss fest sitzen und die Manschette der Jacke sicher fixieren können.

Spezialfälle und zusätzliche Überlegungen

Neben den allgemeinen Passformkriterien gibt es noch weitere Faktoren, die bei der Auswahl deiner Motorradbekleidung eine Rolle spielen können.

Materialien und Passform

Verschiedene Materialien verhalten sich unterschiedlich. Leder bietet in der Regel eine sehr enge, körpernahe Passform, die sich mit der Zeit noch an deinen Körper anpasst. Textilbekleidung ist oft etwas lockerer und verzeiht kleine Abweichungen eher. Gore-Tex und andere Membranen können die Passform leicht beeinflussen, da sie ein gewisses Volumen mitbringen.

Protektoren und ihre Einsetzbarkeit

Manche Bekleidungsstücke werden mit Standardprotektoren geliefert, während andere die Möglichkeit bieten, Nachrüstprotektoren einzusetzen. Achte darauf, dass die Protektorentaschen groß genug für deine gewünschten Protektoren sind und diese nicht ausbeulen oder verrutschen. Die Positionierung der Protektoren ist hierbei das A und O.

Individuelle Körperformen

Jeder Körper ist anders. Manche Fahrer haben längere Arme im Verhältnis zum Oberkörper, andere breitere Schultern. Viele Hersteller bieten unterschiedliche Schnitte an, die auf diese Unterschiede Rücksicht nehmen. Es lohnt sich, verschiedene Marken und Modelle auszuprobieren, um den perfekten Schnitt für deine individuelle Körperform zu finden. Manchmal kann es auch sinnvoll sein, über eine Maßanfertigung nachzudenken, insbesondere wenn du sehr spezielle Anforderungen hast oder Standardgrößen wiederholt nicht passen.

Layering-Prinzip bei Textilbekleidung

Wenn du Textilbekleidung trägst, plane genügend Platz für zusätzliche Schichten ein. Eine Funktionsunterwäsche und ein wärmendes Midlayer können bei kühleren Temperaturen unerlässlich sein. Achte darauf, dass diese Schichten die Passform deiner äußeren Motorradbekleidung nicht negativ beeinflussen und die Bewegungsfreiheit erhalten bleibt.

Motorradbekleidung Größen

Eine Übersicht der entscheidenden Messpunkte und deren Relevanz

Messpunkt Relevanz für Bekleidung Besonderheiten bei der Messung Worauf beim Anprobieren achten
Brustumfang Jacken, Kombis An breitesten Stelle, Arme locker Schultern gut ausgefüllt, keine Spannung beim Beugen
Taillenumfang Jacken, Hosen, Kombis Schmalste Stelle, normal atmen Sitz der Jacke/Hose, kein Einschneiden
Hüftumfang Hosen, Kombis Breiteste Stelle des Gesäßes Bewegungsfreiheit im Schritt, kein Spannen
Schulterbreite Jacken, Kombis Schulterspitze zu Schulterspitze über Rücken Sitz der Protektoren, keine Spannung beim Armheben
Ärmellänge Jacken, Kombis Schulterspitze über gebeugten Ellenbogen bis Handgelenk Handrücken bedeckt in Fahrposition, kein Hochrutschen
Schrittlänge (Innenbeinlänge) Hosen, Kombis Schritt bis Knöchel (Innenseite Bein) Knöchel bedeckt in Fahrposition, kein Hochziehen der Hose
Beinaußenlänge Hosen, Kombis Taille bis Knöchel (Außenseite Bein) Gesamtlänge, Überlappung mit Schuhen

Häufig gestellte Fragen zur Motorradbekleidungs-Passform

Kann ich meine normale Kleidergröße als Anhaltspunkt nehmen?

Während deine normale Kleidergröße eine grobe Orientierung geben kann, ist es bei Motorradbekleidung unerlässlich, spezifische Maße zu nehmen und die Passform genau zu prüfen. Die Schnitte und die Anforderungen an Protektorpositionierung sind deutlich anders als bei Freizeitkleidung. Hersteller haben oft eigene Größentabellen, die auf den tatsächlichen Körpermaßen basieren und von deinen gewohnten Größen abweichen können.

Wie wichtig ist die Bewegungsfreiheit, wenn ich die richtige Größe gefunden habe?

Die Bewegungsfreiheit ist von höchster Bedeutung. Selbst wenn alle Maße laut Tabelle stimmen, muss sich die Bekleidung in der Fahrposition gut anfühlen. Du solltest dich frei bewegen können, um das Motorrad sicher zu führen, ohne dass die Kleidung spannt, einschneidet oder dich anderweitig behindert. Die Anprobe in der typischen Fahrhaltung ist daher unerlässlich.

Was mache ich, wenn meine Maße zwischen zwei Größen liegen?

In diesem Fall solltest du tendenziell die größere Größe wählen, insbesondere bei Jacken und Hosen. Dies gibt dir genügend Platz für zusätzliche Kleidungsschichten im Winter und stellt sicher, dass die Protektoren immer korrekt positioniert sind, auch bei leicht gebeugter Haltung. Probiere beide Größen an und simuliere die Fahrposition, um zu entscheiden, welche sich besser anfühlt.

Sind Motorradstiefel anders zu dimensionieren als normale Schuhe?

Ja, Motorradstiefel sollten oft etwas enger sitzen als deine normalen Schuhe, um einen festen Halt zu gewährleisten und ein Verrutschen im Stiefel zu verhindern. Allerdings dürfen sie keinesfalls drücken oder unangenehm sein, besonders im Zehenbereich. Achte auf ausreichend Platz für deine Socken und probiere Stiefel am besten mit den Socken an, die du auch beim Fahren tragen wirst. Der Schaft muss bequem über dem Stiefelstiefel sitzen oder gut in die Hose integrierbar sein.

Wie passt sich Lederbekleidung an?

Lederbekleidung passt sich mit der Zeit und durch Tragen deinem Körper an. Sie dehnt sich leicht und formt sich nach deiner individuellen Körperform. Beim Kauf sollte sie also eher eng sitzen, aber nicht schmerzen. Achte darauf, dass die Protektoren sofort an der richtigen Stelle sitzen, da sich dies durch das Eintragen kaum noch verändert.

Was ist, wenn die Protektoren bei der Anprobe nicht richtig sitzen?

Wenn die Protektoren bei der Anprobe nicht die Gelenke exakt abdecken, egal ob in aufrechter oder leicht gebeugter Haltung, ist die Größe oder der Schnitt der Bekleidung nicht passend. Protektoren sind das Herzstück der Sicherheit. Verlasse dich niemals darauf, dass sie sich „schon richten“. Suche nach einer anderen Größe, einem anderen Modell oder erwäge gegebenenfalls Bekleidung, die die Aufnahme von größeren oder besser positionierbaren Protektoren ermöglicht.

★★★★★ ★★★★★
Bewertungen: 4.8 / 5. 611